Bericht zur Preisverleihung des 27. Anna-Monika-Preises
Berlin, 25. November 2019

Der 27. Anna-Monika-Preis wurde an Prof. Andrew H. Miller, und Prof. Dr. Diego Pizzagalli und Prof. Manuel Mameli, drei renommierten Wissenschaftlern im Bereich Depressionsforschung, verliehen. Die Preisverleihung fand in feierlichem würdigem Rahmen im Einstein Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt.

In ihrer Einführungsansprache hat Prof. Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin, auf die Bedeutung der Depressionsforschung hingewiesen. Obwohl bereits heute sehr wirksame medikamentöse und nicht medikamentöse Therapien existierten, sei – angesichts der direkten und indirekten negativen Auswirkungen von Depressionen – die Weiterentwicklung der antidepressiven Therapien von grösster medizinischer, aber auch gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. Prof. Heuser sprach besonders auch die teilweise ideologisch gefärbte Infragestellung der Wirksamkeit moderner Depressionstherapien an, welche unglücklicherweise einen für die Patienten nachteiligen stigmatisierenden Effekt habe.

Nach den Laudationes der Preisträger durch Prof. Rainer Rupprecht, dem Vorsitzenden der mit internationalen Experten besetzten Jury der Anna-Monika-Stiftung, Prof. Maurizio Popoli, einem international führenden Grundlagenforscher im Bereich Neuropharmakologie und Depression und Prof. Hans-Ulrich Wittchen, einem renommierten Epidemiologen für depressive und verwandte Erkrankungen gestaltete sich die Kurzpräsentation der prämierten Arbeiten durch die Preisträger zu einem hochstehenden wissenschaftlichen Symposium. Die prämierten Arbeiten und Präsentationen spannten einen umfassenden translationalen Bogen von den Grundlagenwissenschaften über molekulare pathophysiologische Mechanismen der Depression bis hin zu klinischen Studien. Dabei spielte als gemeinsames Element der Einfluss von Inflammation und Dopamin eine zentrale Rolle. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeiten der prämierten Forscher ein solides Fundament gelegt haben, auf welchem aufbauend innovative Therapieforschung und -entwicklung stimuliert und gefördert wird.

Zum Abschluss der Veranstaltung hat Michael Bommers, Vorstand der Anna-Monika-Stiftung und Enkel des Stifters Peter Rehme, eine schöne, persönlich untermalte historische Zusammenfassung der Entstehung und Entwicklung der Stiftung gemacht. Die Rede von Michael Bommers hat neben dem philanthropen Engagement der Familie auch die menschliche Betroffenheit sowie den Wunsch vermittelt, einen entscheidenden Beitrag an die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen zu leisten. Dabei spielt der Anna-Monika-Stiftungs-Forschungspreis eine wichtige Rolle.

Als Alumus der Universität Basel und ehemaliger Student von Prof. Paul Kielholz, dem Mitinitianten sowie dem zweiten Jury Präsidenten der Anna-Monika-Stiftung, sowie als jemand, der mit vielen ehemaligen Preisträgern befreundet ist und von einigen, wie bspw. Prof. Jules Angst, Prof. Florian Holsboer oder Prof. Mathias Berger, als Mentoren auch persönlich unterstützt und gefördert worden ist, ist es dem Schreibenden eine besondere Freude und grosse Ehre, eingeladen zu sein, als neues wissenschaftliches Jury Mitglied einen Beitrag an die Tradition dieser wertvollen gemeinnützigen Stiftung leisten zu dürfen. Besonders die Idee des Mentorings – von Michael Bommers in seiner Ansprache besonders hervorgehoben – ist ein zentrales Anliegen der Anna-Monika-Stiftung. So freut es den Schreibenden besonders, dass es der Zufall wollte, dass zwei seiner talentiertesten klinischen Nachwuchswissenschaftler in der Depressionsforschung anfangs 2020 eine Post-Doc Fellowship bei Prof. Pizzagalli an der Harvard Universität beginnen werden.

Die Chronologie der Preisträger seit 1966 liest sich wie ein Who-is-Who und stellt eine Art wissenschaftshistorische Abhandlung mit den Meilensteinen der wesentlichen Entwicklungsschritte der Depressionsforschung dar, welche alle einen entscheidenden Beitrag zur stetigen Verbesserung unseres Verständnisses depressiver Erkrankungen geleistet haben, welche als Grundlage für innovative Therapieverfahren dienten und noch dienen werden.

Es spricht für die Anna-Monika-Stiftung, dass sie es seit ihrer Gründung vor über 50 Jahren geschafft hat, die wissenschaftlichen Trends zu erkennen und mit der Preisehrung zu fördern und zu unterstützen.

Die Geschichte geht weiter, mit der Anna-Monika-Stiftung, die wichtige Trends erkennt und fördert. Dafür gebührt Michael Bommers und seiner ganzen Familie, die grosszügig hinter der Anna-Monika-Stiftung steht, grösster Dank und hohe Anerkennung!

Zürich, 12. Dezember 2019

Prof. Dr. med. Erich Seifritz
Ordinarius für Psychiatrie der Universität Zürich
Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

 

Anna Monika Foundation 2019

The Anna Monika Foundation is proud to anounce the prize winners of the Anna Monika competition 2019.  In view of a number of excellent applications it was a quite difficult task for the jury to come up with a selection. Nevertheless, the decision follows the outstanding nominations in the history of the Anna Monika Foundation.

_DSC2191 KopieA first prize has been awarded to Andrew H. Miller, Emory University School of Medicine, Atlanta Georgia, USA for his work on identifying biomarkers and targets on the effects of inflammation on the brain to develop novel treatments for depression. His laboratory has made many seminal contributions to the field of brain-immune interactions. First and foremost is his groundbreaking study using a biologic antagonist to the inflammatory cytokine tumor necrosis factor (TNF) for patients with treatment resistant depression. Based on this work Dr. Miller has further elucidated the relative importance of CRP as a translational biomarker. His group has demonstrated that CRP is an excellent proxy for other inflammatory markers in the plasma as well as the brain. Relative to understanding how inflammation affects behavior, using multimodal neuroimaging and non-human primate studies, his laboratory has demonstrated that inflammation affects reward processing, motivation and ultimately anhedonia, a core symptom of depression, by inhibiting the synthesis and release of dopamine. This work has culminated with the demonstration that in depressed patients an elevated CRP is associated with alterations in functional connectivity within reward circuitry that in turn is associated with anhedonia in patients with major depression.

_DSC2304 KopieA second prize has been awarded to Diego A. Pizzagalli, Harvard Medical School, Boston Massachusetts, USA for his neuroimaging studies related to dopamine and personalized treatment of depression. His findings provide evidence that major depression, particularly with recurring episodes and perception of being trapped by stressful situations, is characterized by decreased striatal dopamine transporter expression, which might reflect a compensatory down-regulation due to low dopamine signaling within mesolimbic pathways. Moreover, he has demonstrated that rostral anterior cingulate cortex theta activity has incremental predictive validity and that acute enhancement of dopaminergic transmission potentiated reward-related striatal activation and corticostriatal functional connectivity in depressed individuals, suggesting that targeted pharmacological treatments may normalize neural correlates of reward processing in depression.

_DSC2378 KopieAnother second prize has been awarded to Manuel Mameli, University of Lausanne, Switzerland for his work characterizing the habenula as a crucial structure related to the pathophysiology of depression. His research shed light on the cellular mechanisms underlying depressive-like phenotypes in addiction and mood disorders, ultimately opening avenues for potential future treatments. This may help to elucidate the molecular events occurring during long-lasting activity-dependent changes in the efficacy of synaptic transmission in anatomically-defined neural circuits.